Es
ist schon ein halbes Jahrhundert her, da drehte der deutsche
Regisseur Willi Forst seinen provokativen Film „Die Sünderin“
in der Nachkriegszeit. Es war 1951, in der Hauptrolle sehen
wir die legendäre Hildegard Knef, an ihrer Seite Gustav Fröhlich,
Robert Meyn und Änne Bruck. Die DVD des Films erscheint nun
aus dem Programm von Arthaus.
Marina
(Hildegard Knef) ist schön und verführerisch. Mit 14 Jahren
wird sie von ihrer Mutter und dem Stiefvater allein gelassen.
Schon seit einiger Zeit nahm sich ihr Halbbruder seine Schwester
zur bezahlten Geliebten. Marina ließ sich auf dieses Spielchen
ein, sie gab und er gab – mehr auch nicht. Sie lernte ihre
Werte zu schätzen und konnte so die Männer kontrollieren.
Da sie nun auch der Straße saß, brauchte sie diese Eigenschaft
auch. Das war der Anfang ihrer Karriere als Prostituierte.
Ihr gefiel das luxuriöse Leben - bis sie den Maler Alexander
Kless (Gustav Fröhlich) kennen lernte. Zum ersten Mal erfuhr
sie die wahre Liebe. Das Glück ist leider nicht von Bestand,
denn Alexander droht zu erblinden. Ein bösartiger Tumor nistet
in seinem Kopf, nur eine teure Operation kann ihn retten.
Vorerst flüchten die Beiden ins Ausland und leben glücklich
zusammen, doch leider macht Alexander keine müde Mark mit
seinen Bildern. Schließlich entschließt sich das Paar heimzureisen,
nach München, um hier die teure Operation hinter sich zu bringen...
In
vielerlei Hinsichten ein wirklich gelungener Film. Ähnlich
wie schon in „Sein oder Nichtsein“ erging es mir beim Ansehen
diese alten Werks: ich war überrascht, zudem sehr positiv.
Zwar merkt man dem Film sein Alter an, doch unterhält und
fasziniert er noch immer sehr. Letztlich ist es die Art und
Weise, wie die Geschichte der Marina erzählt wird, aber auch
der Handlungsverlauf an sich. Ein Großteil des Films geschieht
in der Erzählweise durch die Stimme Hildegard Knefs im Monolog
– interessant gemacht. Hinzu kommen selbstverständlich die
sehr guten darstellerischen Leistungen der Schauspieler und
das hoch beherrschte Handwerk des Regisseurs Willi Forst.
Herr Forst führt aber nicht nur den Dreh als Regisseur, sondern
arbeitete auch zusammen mit Georg Marischka das Drehbuch aus.
Der Film entstand in der deutschen Nachkriegszeit, den 50er
Jahren. Durch eine Nacktszene mit Hildegard Knef löste er
den größten Skandal im deutschen Nachkriegsfilm aus. Die Kirchen
riefen zum Boykott des Films auf, und auf den Straßen demonstrierten
Tausende von Menschen für ein Verbot von "Die Sünderin"!
Heute sehen wir das gelassener, ein nackter Frauenkörper kommt
zudem wesentlich häufiger dem Betrachter beim Kinogang vor
die Augen. Die Zeiten ändern sich, doch „Die Sünderin“ ist
auch heute noch ein sehr sehenswertes Drama.
Kann
man in diesem Gebiet der Rezension eine Wertung praktizieren,
die darauf aus ist, jeden auch noch so erdenklich kleinen
Fehler in Sachen „technische Präsentation“ anzubringen? Nein,
selbstverständlich nicht, immerhin ist der Film 49 Jahre alt.
Dafür gefällt das hier gebotene Schwarz/Weiß-Bild im Vollbildformat
(1.33:1) aber sehr gut. Es wird eine sehr hohe Schärfe geboten
und nur sehr selten weicht sie von ihrem hohen Niveau ab.
Der stolze Kontrast tut sein übriges und sorgt für ein angenehmes
Sehen. Kompressionsartefakte fallen nicht ins Auge, auch andere
Störungen bleiben weitgehend aus; lediglich ab und an auftretende
Verschmutzungen, die vom alten Ausgangsmaterial für die DVD-Version
herrühren, vermindern das Sehvergnügen unwesentlich. Insgesamt
in Anbetracht des hohen Alters eine gute Leistung. Beim Ton
geht es beinahe genau so her. „Die Sünderin“ kommt mit einer
monauralen Dolby Digital 1.0-Tonspur. Im Film passiert akustisch
ohnehin nur sehr wenig, da reicht der hier gebotene Ton vollkommen
aus. Die überwiegend erzählende Stimme von Hildegard Knef
ist stets gut zu verstehen, rauschfrei und sehr deutlich.
Ab und an gibt es ein paar Hintergrundgeräusche und natürlich
Musik. Letztere wirkt sehr fern, was soll man aber von einem
Monoton auch sonst erwarten. Untertitel wurde auf der Disc
nicht abgelegt.
Der
Inhalt der DVD „Die Sünderin“ aus dem Programm von Arthaus
/ Kinowelt gefällt, ebenso die Technik. Beachtet man das Alter
des Films, so kann man bedenkenlos sagen: das bestmögliche
Ergebnis wurde bei Bild und Ton erzielt. Mit heutigen Produktionen
und aktuellen DVD-Erscheinungen nur sehr bedingt zu vergleichen.
Die FSK des Films ist ab 12 Jahren, die Laufzeit beträgt ca.
83 Minuten. Abgelegt wurde der Film auf einer einseitigen
Dual-Layer-Disc (DVD Typ 9). Als Extras werden über das Arthaustypische
Menü der Zugriff auf einen Kinotrailer und eine Dokumentation
über Hildegard Knef gewährt. Sie gibt viel Einblick in die
Karriere der deutschen Darstellerin und verrät einige interessante
Dinge während ihrer Laufzeit von rund 40 Minuten. Der empfohlene
Verkaufspreis der Code2-DVD liegt bei fairen 39,95 DM. Wer
sich als Fan alter deutscher Filmkost sieht oder einfach Hildegard
Knef mag, der sollte hier unbedingt zugreifen, denn es lohnt
sich.
Andre
Schnack
15.05.2000
Film
/ Inhalt
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